Diagnose Zwangsstörung und „zwanghaftes Verhalten“ – ein Erklärungsversuch

Inhaltsangabe

Was „sind“ Zwänge?

Zwanghaftes (anankastisches) Denken und Verhalten wird vieles genannt, das mit einem Zwang rein gar nichts zu tun hat. Diese Seite lädt Betroffene und Berater zur Selbsthilfe und zum Umdenken beim Thema Zwang (Anankasmus) ein. Wenn eine Zwangsstörung vermutet wird, lohnt es sich besonders genau hinzusehen.

Schon bei der Erklärung des Begriffs Zwang kommt es zu Missverständnissen. Die „Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.“ versucht auf ihrer Website zwaenge.de, das Wort Zwänge zu erklären.

Zwanghaftes Verhalten und Diagnose Zwangsstörung – Erklärungsversuch der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen

Auf zwaenge.de lesen wir gleich zu Beginn, jeder Mensch sei bestimmten Alltagszwängen ausgesetzt. Unter diesen Zwängen verstehen die Betreiber von zwaenge.de z. B. die Notwendigkeit, morgens aufzustehen und zu einer vereinbarten Zeit an einem Arbeitsplatz oder in der Schule zu erscheinen.

Möwen am Meer
Die Diagnose „Zwang“ schränkt ein. Es ist hilffreich, in weiteren Zusammenhängen zu denken

Auch das Erfordernis angemessener Körperhygiene wird auf zwaenge.de seltsamerweise zu „normalen Zwängen“ gerechnet. Normale Zwänge wären für die Bewältigung des Alltags erforderlich, so die Meinung der Autoren der Texte von zwaenge.de

Schon im Einstieg der Webseite wird fälschlicherweise ein Begriff verwendet, der eine starke Wirkung entfaltet. Pünktlichkeit und Körperhygiene sind Errungenschaften einer zivilisierten Gesellschaft. Aber keine Zwänge. Man kann durchaus feststellen, Pünktlichkeit ist eine mit Zeitknappheit verbundene Restriktion, die sich aus Verträgen und anderen Verabredungen ergibt. Mehr aber nicht. Denn die höhere Ordnung, der wir uns meist freiwillig anschließen, bezieht sich auf vereinbarte Tages-, Arbeits- und Lehrpläne.

Verabredungen für Arbeit und Alltag sind natürlich keine Zwänge

Drehen wir vermeintliche Logik der Beispiele von zwaenge.de um, sehen wir den Irrtum. Würden Pünktlichkeit und Körperpflege tatsächlich zu „Alltagszwängen“ zählen, dann müsste im Umkehrschluss ein unkultiviertes Verhalten typisch für die zwanglosen Ferien und die Feiertage sein. Der Denkfehler ist spätestens hier offensichtlich. Dies hier ist aber erst der Beginn einer Verkettung von Missverständnissen.

Diagnose Zwangsstörung – warum sie ein Missverständnis ist

Zu vermeintlichen Zwangsstörungen und Zwangserkrankungen halten sich seit Jahrzehnten in der Psychologie und Psychiatrie eklatante Missverständnisse. Die Geschichten vom Zwang beschäftigen auch heute weltweit viele Menschen: Personen, die als Patienten definiert sind und andere, die als Therapeuten die Diagnose Zwangsstörung in die Welt setzen.

Die Tabelle zeigt, wie häufig Menschen in Deutschland nach krankheitsbeschreibenden Begriffen suchen bzw. welche Zuordnungen sich im Suchindex von Google befinden. Einige Beispiele für verwandte Suchanfragen im Internet unter dem Suchbegriff „zwänge“ (Quelle: metrics.tools)

Keyword / Suchbegriff monatliches Suchvolumen (DE) Negativer Begriff
OCD 18.100
Zwangsstörung 9.900
Zwangsneurose 5.400
Zwangsgedanken 4.400
Kontrollzwang 2.400
Waschzwang 1.300
Zwangserkrankung 880

Allesamt sind diese häufig gesuchten Begriffe negativ besetzt. Kein einziges Wort fällt unter die Kategorie Zuversicht und Handlungsoption. Am Ende dieser Seite finden Sie eine Reihe von Begriffen, die eine besonders hohe Relevanz zum Suchwort Zwänge haben (Quelle: termlabs.io)

Das bislang ungelöste Dilemma vieler Therapeuten

Von Therapeuten wird erwartet, dass sie bei Vorliegen der Diagnose Zwangsstörung bestimmte Verhaltensweisen und Denkmuster bei ihren Patienten gewissermaßen entfernen bzw. zu entfernen oder zumindest zu unterdrücken helfen.

Ein unerfüllbarer Auftrag

In anderen Branchen würde es als wenig professionell angesehen werden, unlösbare Aufgaben anzunehmen. Man stelle sich nur vor, jemand würde vom Friseur verlangen, die Geschwindigkeit des Haarwachstums zu ändern. Und der Friseur würde den Auftrag annehmen und den Kunden Woche für Woche zu einer Sitzung empfangen, damit dieser das Ziel erreicht.

Sie halten diesen Vergleich für absurd?

Lesen Sie weiter, und Sie finden genügend Belege dafür, dass dieser Vergleich durchaus zur Diagnose und den Behandlungsversuchen von Zwangsstörungen perfekt passt. Es ist grundsätzlich absurd, natürliche Gegebenheiten für gestört zu erklären und ändern zu wollen.

Aber wenden wir uns erst noch der grundsätzlichen Definition von Zwang zu:

Was ist ein Zwang – objektiv?

Wer Sprache verwendet, soll es in der verabredeten Weise unternehmen. Zweckentfremdung und Sinnentstellung von Sprache verunsichern die Menschen. Die Tatsache der Verbreitung und Wiederholung von Irrtümern macht aus ihnen selbstverständlich keine Wahrheiten.

Zwang in seiner semantischen Bedeutung

Als Zwang bezeichnet die Mehrheit der gebildeten Sprachgemeinschaft entweder

  • die Einwirkung von außen auf eine Person unter Androhung bwz. Anwendung von Sanktionen, Nachteilen oder Gewalt
    oder
  • einen starken inneren Drang, dem sich ein Mensch ausgeliefert sieht – in der Annahme, keine Wahlmöglichkeit zu haben, also das Gefühl, es würde ein innerer Zwang existieren. Hinweis: Es geht tatsächlich um die Selbsteinschätzung, keine Wahl zu haben. Jeder Mensch hat beim Auftauchen imposanter Gedanken und Bilder eine Wahl.

Es leuchtet ein, dass pünktliches Aufstehen und Körperhygiene nicht zur Kategorie von Zwängen zählen können. Die Antwort auf die Frage „Was sind Zwänge“ ist bereits im Einstieg der Webseite zwaenge.de falsch.

Ordnungsstreben und Gedanken über Sauberkeit sind an sich nicht zwanghaft

Auch das permanente Nachdenken über Themen wie Ordnung, Sicherheit und Gesundheit ist nicht per se gestört. Alles, was sich hier wahrheitsgemäß feststellen lässt, ist:

  • Jemand legt einen besonderen Wert auf Sicherheit und Gesundheit
  • Es existiert das Anliegen, dauerhaft in Sicherheit zu sein und sich vor Erkrankungen zu schützen
  • Ansteckungsrisiken werden gesucht, gefunden zu vermeiden versucht
  • Eine mitunter starke Sehnsucht nach Ordnung, Orientierung und Planbarkeit macht sich in vielen Bereichen des Alltags bemerkbar.

Alle diese Punkte zeugen von einem Streben nach – nun, wirklich erstrebenswerten Umständen. Hand aufs Herz: Würden Sie bei einem der genannten Punkte die Diagnose Zwangsstörung stellen? Vermutlich nicht. Doch leider passiert so etwas öfter, als viele denken.

Sehen wir uns an, warum die Diagnose Zwangsstörung so schnell gestellt wird.

Was „ist“ ein „zwanghaftes Verhalten“?

Bewusst setze ich beim Text hier Anführungszeichen rund um „ist“ und „zwanghaftes Verhalten“. Auch „Diagnose Zwangsstörung“ verdient es, in Anführungszeichen geschrieben zu sein. Fragen wir also sinnvollerweise:

Was wird in der Psychologie für zwanghaftes Verhalten gehalten?

Viele Psychologen sind schnell mit einer Störungsdiagnose da, wenn sie ihren Einfluss auf einen Patienten an Grenzen kommen sehen. Hilfreich ist es hier (im Sinne des Salutogenese-Ansatzes) zu fragen, was kein zwanghaftes Verhalten ist, und warum etwas nicht zwanghaft ist, auch wenn es auf den ersten Blick so wirken mag. Allerdings:

Genau das aber geschieht in der Welt jener Menschen nicht, die an die Existenz von Zwängen glauben. Sie interpretieren und erleben starke Gedanken, als wären diese abgekoppelt vom Alltag, von den Wertvorstellungen und vom Kontext, in dem jemand etwas denkt und erstrebt.

Auch auf die Frage nach der Definition vermeintlich zwanghaften Verhaltens finden sich auf der Seite zwaenge.de Beschreibungen und Antworten, die wenig hilfreich wirken. Dort steht, dass eigentlich jede und jeder für sich selbst die Diagnose Zwangsstörung stellen kann, tatsächlich. Man müsse sich nur an einigen Merkmalen orientieren.

Scheinbare Indizien für zwanghaftes Verhalten

  • wiederkehrende Gedanken
  • aufdringlich wirkende Impulse
  • Vorstellungen (Imaginationen), die mit unguten Gefühlen verbunden sind
  • Erfolglosigkeit beim Bemühen, die unliebsamen Gedanken zu unterdrücken (dass dies bei gesunden Gehirnen niemals gelingen kann, ist eine oft übersehene Tatsache)

Fertig ist die Selbstdiagnose Anankasmus. Wirklich?

Risiko der Selbst-Diagnose Zwangsstörung / zwanghaftes Verhalten

Wer sich keine ergänzenden Informationen besorgt, kann sich nach dem Lesen vieler Internetseiten schnell als durch und durch krank einstufen. Sehen wir uns an, was als vermeintliche Beweise für die Indikation Anankasmus oder zumindest Zwangsstörung genannt wird:

Eine Person stellt fest, dass bestimmte Gedanken wiederkommen

Wenn ein Mensch frisch verliebt ist und fortwährend an den Geliebten bzw. die Geliebte denkt, und das so sehr, dass der Mensch alles um sich herum vergisst, im Job unaufmerksam wird und schon mal das Essen anbrennen lässt, dann wird man wohl beide Augen zudrücken – und sagen: die Chemie, die Hormone, die Liebe eben. Keiner kommt auf die Idee, von einer Verliebtheitsstörung zu sprechen. Auch wenn im wesentlichen die meisten vermeintlichen Kennzeichen einer Zwangsstörung gegeben sind.

Zu den zwanghaften Gedanken zählen laut Definition der Verfechter der Diagnose Zwangsstörung beispielsweise Zweifel, ob beim Verlassen des Hauses die Türe geschlossen wurde. Typisch sei für zwanghaftes Verhalten auch das fortwährende Denken an die Frage, ob die Wohnung, die Kleider, der Körper usw. wirklich ausreichend sauber wären, damit keine von Bakterien verursachten Erkrankungen auftreten könnten. Oder die Angst, man könnte einer Person, zumal einer schutzbefohlenen, geliebten Person etwas antun.

Hier ist noch einmal die Inhaltsangabe zu Ihrer Orientierung:

Was sind Zwänge?

So werden aus lästigen Gedanken zwanghaft wirkende Gedanken

Viele der Gedanken, die über den Tag verteilt aufkommen, sind an sich bestimmt lästig. Sie gehen den Menschen auf die Nerven, und das oft gehörig. Keine Frage. Unbestreitbar ist aber auch, dass Gedanken gleich welcher Art eine massive Bedeutungssteigerung erfahren, wenn wir sie mit der Bedeutung aufladen, sie müssten verschwinden. Weil sie böse wären. Weil „man“ so etwas nicht denkt. Weil das so in den „Fachbüchern“ steht. Schnell können absurde, schräge und überformatige Gedanken von den sie denkenden Personen als zwanghaft eingestuft werden. Trifft eine solche Person dann auf einen Therapeuten oder eine Therapeutin mit ebenfalls vorhandener Affinität zum Thema Zwang, kann es zu einer ungünstigen Arbeitsteilung für die Stabilisierung von Zwangsvorstellungen (die Vorstellung, es gäbe einen Zwang) kommen: auch Therapie genannt.

Jemand entwickelt eigene Ordnungen, um Kontrolle über die Gedanken zu erzeugen

Wie im Rahmen der Hirnforschung erwiesen ist, gibt es keine Möglichkeit, Gedanken zu entfernen, etwa wie das Herbstlaub vom Weg.

Wenn aber …

  • gleichzeitig der Anspruch besteht, es dennoch zu „schaffen“, Gedanken lozuswerden
  • zudem fortwährend erlebt wird, dass es nicht zu schaffen sein kann (die Gedanken mit Anstrengung loszuwerden),
  • und dennoch weiter versucht wird, das unerreichbare Ziel zu erreichen …

… dann können die Gedanken in den Stand einer höheren Instanz erhoben werden, der man zu dienen hätte. Und genau das passiert bei Konzepten wie „Der Kobold im Kopf.“, Lee Baer und Matthias Wengenroth. Hier handelt es sich um den Versuch einer einerseits verniedlichenden Personifizierung von Gedanken. Freilich ist dieser Versuch schon deshalb ein Fehler, weil er in unzulässiger Weise einem an sich einfach zu erklärenden gedanklichen Phänomen die Form einer Person (Kobold) zuspricht. Andererseits spricht das Buch von Zwangsgedanken, die zu zähmen seien. Zähmung wiederum kommt in der Biologie bei wilden Tieren vor. Es gibt also ein Buch, das Zusammenhänge zwischen Gedanken, Kobolden und wilden Tieren herstellt. Ob dieser Gedanke dazu beitragen kann, Gelassenheit im Umgang mit Gedanken zu finden, ist wenig wahrscheinlich.

Viele, die zur Überzeugung gelangt sind, sie würden einem Zwang unterlegen sein, versuchen dem Zwang zwischendurch kurz zu dienen. Wer zwischendurch eine rituelle Handlung ausführt, hat oft die Idee, damit die Wirkung, die geheimen Aufträge oder Befehle des Zwanges vorübergehend zu neutralisieren. Damit etwas Druck aus dem Kessel kommt, wird dann eben eine „Zwangshandlung“ ausgeführt. Weil aber der Druck logischerweise bleibt (man will ja etwas Unerreichbares erreichen), ist meist schon bald die nächste „Zwangshandlung nötig.“

Wer diesen Regelkreis, in dem alles logisch zu sein scheint, einmal genau ansieht, versteht den Unsinn jeglicher Diagnosen zum Thema Zwangsstörung.

Warum ist die verdinglichte Beschreibung von Zwang nicht hilfreich?

Das menschliche Gehirn interpretiert Sprache immer bildhaft und wortwörtlich. Beschäftigt sich ein Mensch mit dem Thema Zwang oder Zwänge, geht er von der Annahme aus, dass es zu den Begriffen reale Entsprechungen gibt.

Bei Begriffen wie Dackel, Schraubendreher oder Wiese gibt es eine zu ihnen passende Wirklichkeit. Im deutschen Sprachraum können wir Einigkeit darüber erzielen, welches Tier zu welche Bezeichnungsgattung passt. Und was eine mit Gras bewachsene Fläche ist. Beim Phänomen Zwang ist das nicht der Fall. Denn der Begriff Zwang ist lediglich ein Erklärungsversuch für ein Phänomen, z. B. für das wiederholte Auftauchen von Gedanken.

Was geschieht, wenn jemand nach „Zwang – was ist das?“ sucht?

Wer eine Seite wie „zwaenge.de“ aufruft, sucht entweder für sich oder einen Angehörigen bzw. Freund eine Erklärung. Womöglich sucht jemand auch eine Beratung, Hilfe oder Therapie. Weil jemand gehört oder gelesen hat, sich wiederholende Gedanken könnten auf zwanghaftes Denken (Zwangsgedanken) hindeuten.

Wer sucht, ist sich in der Regel nicht sicher.

Trifft nun jemand auf eine Seite wie zwaenge.de, findet er sofort eine Krankheitsbeschreibung. Ohne jede Differenzierung, ob ein bestimmtes Denken, Empfinden und Verhalten wirklich krankhaft oder gestört ist – oder ob es im jeweiligen Zusammenhang des Kontextes völlig normal ist, ja sogar von besonderer Kompetenz zeugt. Häufig werden die Krankheitskonzepte gekauft, weil das vermeintlich jemand ist, der weiß, „was ich habe.“

Warum sind wiederkehrende Gedanken, Impulse und Ideen nicht einem Zwang gleichzusetzen?

Sehen wir uns an, warum wiederkehrende Gedanken, Impulse und Vorstellungen keineswegs einem Zwang gleichzusetzen sind. Übrigens auch dann nicht, wenn die Gedanken intensiv und aufdringlich wirken und ein ungutes Gefühl bis hin zur Angst aufkommen lassen. Auch die Tatsache, dass sich Gedanken gleich welcher Art weder unterdrücken noch anderweitig beseitigen lassen (etwa wie Unkraut, das man ausreißt oder Lärm, hinter dem man eine Türe schließt), ist natürlich kein Anzeichen für einen Zwang. Das verkehrte Konzept von den Zwängen hat sich lediglich als hartnäckiger Irrtum mit entsprechenden logischen Fehlern im Denken etabliert. Mehr aber auch nicht.

Seien Sie also zuversichtlich, und lesen Sie weiter:

Ein gesundes Gehirn verbindet Aufmerksamkeit mit Energie. Deshalb kann der Mensch seine Gedanken nicht unterdrücken

Es ist nützlich, sich etwas mit dem Gehirn und dem Thema Aufmerksamkeit zu befassen. Dies sollte geschehen, bevor man sich mit der Interpretation von Gedanken, Empfindungen und Verhaltensweisen beschäftigt. Wer wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Interpretation von Phänomenen unterlässt, klammert evidente (offenkundige) Tatsachen aus. Das führt zu trivialen Irrtümern, die aber leider als vermeintliche Wahrheiten steile und lange „Karrieren“ machen. Mit anderen Worten: Pseudo-Plausibilität führt zu Denkprozessen mit fortlaufenden Denkfehlern.

Erwiesene Tatsache: Aufmerksamkeit stärkt Gedanken

Jeder Gedanke erfährt Relevanz, sobald ihm der Mensch Aufmerksamkeit und Bedeutung gibt.

  • Das ist normal so.
  • Das ist gesund.
  • Es zeugt eben gerade nicht von einer Störung.

Ein einfaches Beispiel. Ein junger Mensch steht kurz vor dem Abitur. Mit gibt hier eine Reihe von Leistungsansprüchen. So konzentriert sich der Mensch auf das Erfassen und Erlernen des Abiturstoffes. In den Wochen vor der Prüfung drehen sich die meisten Gedanken um das bevorstehende Ereignis. Wer wollte hier von einem zwanghaften, gestörten oder sogar krankhaften Verhalten sprechen? Gehen wir noch einen Schritt weiter in die verkehrte Definition von Zwängen hinein. Die Betreiber von zwaenge.de schreiben, es würde auf zwanghaftes Verhalten hindeuten, wenn sich Gedanken nicht unterdrücken lassen. Dies ist ein Irrtum. Das Gegenteil ist der Fall.

Warum ist es ein Irrtum, hohe Aufmerksamkeit als zwanghaft zu bezeichnen?

Bleiben wir noch einen Moment bei dem Jugendlichen mit der bevorstehenden Reifeprüfung. Seine Gedanken drehen sich um den Prüfungstag. Das hilft ihm dabei, sich vorzubereiten. Auch wenn er gelegentlich etwas früher wach wird und Befürchtungen hat, ob er an dem entscheidenen Tag Lampenfieber habe könnte. Auch dann, wenn ein gewisses Maß an Angst vor dem Scheitern aufkommt. All das ist normal und gesund. Denn das Gehirn arbeitet in kompetenter Weise, wenn es ein als wichtig bewertetes bevorstehendes Ereignis mit entsprechender Aufmerksamkeit und Energie versorgt. Der Versuch, nicht an das Abitur zu denken, würde selbstverständlich nicht gelingen können. Weil das Thema mit viel Bedeutung ausgestattet ist. Fassen wir zusammen:

Das Gehirn führt bedeutenden Themen Energie zu. Das ist normal und gesund.

Aber was ist eigentlich bedeutend oder bedeutsam?

Nichts.

Sie haben richtig gelesen. Nichts ist wichtig oder bedeutsam, bevor ihm eine Bedeutung gegeben wird. Tatsachen haben nicht die geringste Bedeutung. Das wusste bereits Oscar Wilde. Und auch vor ihm war das jedem klar, der über das Leben nachdachte.

Ein Mensch, der kein Interesse an Schulbildung hat, gibt dem Abitur keine Bedeutung. Somit macht er sich auch kaum oder keine Gedanken darüber. So einfach ist das. Die Begriffe „geben und machen“ deuten auf Handlungen hin. Würde eine Person dem Thema Bildung und Karriere eine dermaßen hohe Bedeutung geben, dass davon die Ehre und das Leben abhingen, könnte sich die Person unter einen ungesunden Druck setzen. Und Verhaltensweisen entwickeln, die der Gesundheit wenig dienen, etwa zu wenig schlafen, zu viel auf das Thema Karriere fixieren. Immer hat es mit bewusster bzw. unbewusster Aufmerksamkeitsfokussierung zu tun. Sobald jemand die Idee aufgibt, bestimmte Gedanken müssten zum Verschwinden gebracht werden

Genau so einfach ist das mit Bezug auf sogenannte Zwangsgedanken, Zwangshandlungen und innere Zwänge an sich. Halt! Denken oder rufen das hier die Anhänger der Zwangsstörungs-Diagnose? Selbstverständlich, weil es das Selbstbild dieses Konzeptes ins Wanken bringt.

Übrigens: Sobald ich in einer Beratungssitzung das Bild von der vermeintlichen Zwangsstörung bei den Klienten ins Wanken bringe, beginnen diese mit einer guten Entwicklung.

Der missglückte Definitionsversuch für „zwanghaftes Verhalten“

Auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen e.V. finden sich zwei Behauptungen, denen zufolge zwanghaftes Verhalten vorliege:

  • wiederkehrende Gedanken, die sich auf die Themen Sicherheit und Sauberkeit beziehen
  • Gewohnheiten (Rituale), mit denen Menschen versuchen, Sicherheit zu gewinnen und zu behalten

Sehen wir uns diese Definitionen näher an.

Keywords zum Hauptbegriff Zwänge, die eine hohe Relevanz haben (Quelle: termlabs.io)

Zwangsstörung, Zwangserkrankung, Zwangshandlungen, Selbsthilfe, Waschzwang, Zwangsgedanken, Kontrollzwang, Verhaltenstherapie Zwangsneurosen, Therapie, Phobien, Selbsthilfegruppen, Ängste, Reaktionsverhinderung, Reaktionsmanagement, Reizkonfrontation, Psychotherapie, Psychiatrie, Psychologie, Hypnose, Sammelzwang Erkrankungen, Zwangsspektrumsstörungen, Gesundheit, Zählzwang Prüfungsängste, Persönlichkeitsstörung, Ordnungszwang. Putzzwang,
Psychoanalyse. Panikattacken, Messie, Selbsthilfeunterstützung, Arbeitsstörungen, Störung, Behandlung, Syndrom, Selbsthilfeverbände, Konfrontationstherapie, zwanghaft, Zwangsverhalten, Depressionen, Selbsthilfekontaktstellen, Wiederaufnahmehemmer, Beratung, Symptome, Psychosomatik, psychosomatisch, trialogisch, Agoraphobie, Therapeutensuche, Höhenangst, Exposition, Bulimie, Tagesklinik, Expositionstherapie, Gesundheitstagebuch
Angststörungen, Krankheit, Habituation, Behandlungsabschluss, Therapieabschluss, Somatisierungsstörungen, Therapieerfahrungen
Patientenerfahrungen, Selbsthilfeförderung, Krankheitsangst, Gruppentherapie, Verhaltensmuster, Neurose, Meidungsgebote, Hygienezwang, Stessbewältigung, Handlungstabu, anakastisch, Anakasmus